Platz 3 des FanArt-Gewinnspiels

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Platz 3


Von Speer, Schild und Schwert
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Die Sonne, die den ganze Tag hell und klar geschienen hatte, berührte bereits den Rand der Erde, so dass sich ein starker Kontrast am Horizont abzeichnete. Es würde nicht mehr lange dauern bis sie ganz untergegangen war; und mit ihr die Herrlichkeit des Tages. Stelíos blickte hoffnungsvoll gen Himmel, um die ersten Sterne der Nacht zu begrüßen, doch er sah sie nicht. Er erkannte nur die dunklen Konturen von Wolken, die grau und schwer waren. Ein Gewitter kündigte sich an. Es wird regnen. Um ihn herum toste die Menge auf den Rängen und Bänken der Arena von Mykene. Der Lärm und das Geschrei waren unerträglich laut, doch Stelíos nahm nichts davon wahr. Für ihn war der Lärm leise und fern. Er richtete ein paar letzte Worte an Helios, bevor die Sonne gänzlich unterging.

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Nun ist es so weit. Unter den Rufen und Anfeuerungen vieler hundert Menschen, die dem Spektakel beiwohnten, betrat eine Gestalt die Arena, sein Rivale. Stelíos betrachtete diesen konzentriert, denn jedes Detail konnte von Bedeutung sein. Sein Gegner war großgewachsen und trug einen grauen Mantel, der ihn fast gänzlich umhüllte und jedem den Blick in sein Antlitz verwehrte. Stelíos meinte zu erkennen, dass sein Kontrahent wie er selbst keine Rüstung trug. Jedenfalls waren unter dem Mantel keine auffälligen Ausbeulungen zu erkennen. Der Fremde war allerdings im Gegensatz zu ihm nur spärlich bewaffnet. Ein Schwert war alles, was er besaß, während Stelíos mit Speer, Schild und Schwert ausgerüstet war. Beide Krieger kamen nun in Bewegung und näherten sich dem Zentrum der Arena. Dort angekommen verneigten sich beide voreinander, was zu feurigen Jubelrufen bei den Zuschauern führte. Stelíos spürte Trauer, da er den Namen nicht seines Gegners nicht kannte. All seine Opfer waren namenlos gewesen. Dieser ist es ebenfalls.

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Kaum hatte der Kampf begonnen, ging Stelíos sofort in den Angriff über. Wie ein Berserker hieb er auf seinen Gegner ein, der aber aufgrund seiner geringen Ausrüstung flink und behende war und deshalb jedem der Hiebe mühelos ausweichen konnte. Die Spitze seines Speeres traf nie ihr Ziel, sondern zerschnitt lediglich die Luft. Er ließ jedoch nicht im Angriff nach, sondern bedrängte seinen Rivalen weiterhin, der, obwohl er den Attacken des Thessaliers standhielt, zurückweichen musste. Eine Ewigkeit, so erschien es Stelíos, stagnierte der Kampf. Es war Stelíos albekannte Rolle, mit dem Speer nach seinem Gegner zu stechen, während es dessen Rolle war, den Angriffen des Thessaliers auszuweichen oder abzuwehren. Stelíos, der neben seinem Speer auch ein Schwert und einen Schild trug, spürte deren Gewicht immer deutlicher. Seine Kräfte schwanden allmählich bis er keine mehr hätte. Dann war er ein leichtes Spiel für seinen Kontrahenten. Er musste sich auf irgendeine Art und Weise einen Vorteil verschaffen.

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Der namenlose Rivale stieß mit dem Rücken gegen etwas Hartes. Er drehte den Kopf nach hinten und erkannte, dass Stelíos ihn bis an die innere Mauer der Arena getrieben hatte. Das ist meine Chance!, dachte der Thessalier voller Hoffnung. Ares, gib mir die Kraft und Schnelligkeit, auf dass dieser Speer sein Ziel finden werde! Mit all seiner Kraft schlug er zu, die Spitze des Speers auf das Herz des Gegners gerichtet. Doch seine Hoffnung war vergebens. Der Namenlose tauchte unter dem Schlag hinweg. Der Speer krachte gegen die Wand und zerbarst, so dass Stelíos nur noch einen unbrauchbaren Stock in der Hand hielt. Sein Gegner nutzte die Gelegenheit und stieß sein Schwert in das Knie des Thessaliers. Voller Entsetzen und aufgrund des Schmerzes schrie dieser laut auf, während die Zuschauer – durstig nach Blut wie sie waren – vor Entzücken johlten. Der Fremde wollte seine Klinge noch tiefer in das Stelíos Bein treiben, doch dieser hohlte mit dem Stock zum Schlag aus und traf seien Gegner an der Schläfe, so dass dieser benommen zurückweichen musste. Stelíos knickte mit dem verletzten Knie ein und warf wütend den Stoch bei Seite. Der Kontrahent hatte sich währenddessen von dem Schlag wieder erholt und kam mit erhobener Klinge auf ihn zu. Nun war dieser an der Reihe, anzugreifen. Stelíos hielt seinen Schild bereit und zückte sein Schwert.

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Ein Schlag nach dem anderen ließ den hölzernen, mit Metallstreben und Stahlbuckel verstärkten Schild erbeben und stellte nicht nur die Stabilität des Schildes, sondern auch die Kraft und Ausdauer seines Besitzers auf eine harte Probe. Der Kontrahent des Thessaliers nutzte die schlechte Lage und Ausgangsposition wie die Verletzung Stelíos', um einen Schwall von Angriffen auf den am Boden knienden niederprasseln zu lassen. Die Attacken kamen von allen Seiten, von unten, oben, links oder rechts und nur seiner Erfahrung und Kenntnis über den Umgang eines Schildes, verdankte der Krieger, dass er noch nicht durch die Waffe seines Rivalen niedergestreckt worden war. Er spürte jedoch, dass seine Muskeln unter dem fortwährenden Angriff langsam ermüdeten und wenn er diesen Kampf gewinnen wollte, musste er sich in eine bessere Ausgangslage bringen. Die Zähne zusammenbeißend und den Schmerz seines verletzten Knies ignorierend, richtete er sich mühsam auf, darauf bedacht, dass seine Deckung nicht gebrochen wurde. Als er jedoch mit dem Fuß des verletzten Beins auf den Boden auftrat, merkte er, dass er ihn nicht tragen würde. Gleichzeitig hieb sein Gegner erneut auf ihn ein und er blockte diesen Schlag nur mit großer Anstrengung, während seine schmerzende Wunde, die er bei der Blockade belastete, ihn fast um den Verstand brachte. Der einstige Soldat von Iolkos legte noch einmal seine gesamte Kraft in den Schildarm und stieß seinen Gegner zurück, so dass dieser einige Schritte nach hinten stolperte, doch die Gefahr war noch nicht gebannt, denn sein namenloser Rivale sprang mit erhobener Klinge nach vorne, bereit zuzuschlagen. Blitzschnell schossen dem Thessalier alle Möglichkeiten durch den Kopf, die ihn vielleicht aus dieser Situation retten könnten und tatsächlich fiel ihm noch die richtige ein, bevor ihn die Klinge seines Rivalen erreichte. Statt weiterhin gegen den Schmerz anzukämpfen, gab er diesem einfach nach. Das verletzte Bein knickte ein und Stelíos vollführte eine Rolle, die ihn aus der Reichweite des Kontrahenten beförderte.

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Der Fremde nahm langsam die Kapuze, die er ständig zu tragen pflegte, vom Kopf und betrachtete Stelíos genau. Die stahlblauen Augen, die zum Vorschein kamen, schienen ihn regelrecht zu durchbohren. »Nicht schlecht«, sagte sein Gegner schließlich und offenbarte seinem Gegner zum ersten Mal den Klang seiner Stimme. »Vielen Dank«, antwortete Stelíos und grinste. Aus irgendeinem Grund erfreute ihn der Gedanke, dass er einen Gegner gefunden zu haben schien, der ihm ebenbürtig oder gar überlegen war und dass er sich nun mit solch einem messen konnte. Den in Aussicht stehenden Tod vergaß er dabei. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, hoben die beiden Kontrahenten wieder ihre Waffen und bereiteten sich auf die Fortsetzung des Kampfs vor. Der Schildkämpfer versuchte sein verletztes Bein so gut wie gar nicht zu belasten, was ihm jedoch sehr schwer fiel und es ihm nicht ermöglichte, sich richtig auf den Kampf zu konzentrieren. Um deshalb weniger Kraft aufwenden zu müssen, warf er den Schild, der ihm bis jetzt ein teurer Begleiter im Kampf gewesen war, beiseite. Scheppernd kam dieser auf dem Boden auf und blieb nach mehrmaligen Drehungen still liegen. Nun konnte er sich besser auf sein Schwert und seine Offensive konzentrieren. Da das Gewicht des Schildes weggefallen war, schmerzte sein Bein nicht mehr so stark, wenn er auch in seiner Beweglichkeit stark eingeschränkt war. Auf sein gesundes Bein stützend, machte sich Stelíoszum Sprung und somit zum Angriff auf seinen Gegner bereit. Dieser wich seinem Angriff jedoch geschickt aus, machte eine kleine Wendung, so dass er seitlich neben dem Thessalier stand. In diesem Moment wusste der Krieger, dass er verloren hatte. Der Fremde packte seinen Schopf und zog seinen Kopf nach hinten und legte die Klinge seines Schwertes auf Stelios' Hals. Nun ist es so weit. Er verspürte weder Angst noch Trauer, als das Schwert durch seine Kehle fuhr.

- 7 -

Es begann zu regnen.

- Ende -

geschrieben von Orcinus Orca


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